Warum ich keinen Blogbeitrag schreiben will

Ich möchte ehrlich sein: Ich habe Angst. Angst um meine, um unsere Zukunft. Angst vor all dem, was in der Welt passiert. Jedes Mal, wenn ich Nachrichten schaue, male ich mir ein weiteres schreckliches Horror-Szenario aus.

Ich habe Angst vor einem Krieg, ausgelöst weil eine Orange mit dem Namen Trump ihr Ego nicht bei sich halten konnte. Der US-Präsident hat nämlich angeordnet, dass der iranische General Kassem Soleimani bei einem Drohnenangriff getötet wird. Laut US-Verteidigungsministerium geschah dies nur, um Pläne für Attacken auf amerikanische Truppen zu vereiteln.

Wer hätte es gedacht – der Iran hat bereits Vergeltung angekündigt und auch schon in die Tat umgesetzt.

Ich habe Angst, dass dadurch noch ein dritter Weltkrieg ausgelöst wird, nur mit sehr viel effektiveren Waffen. Wäre ich besonders zynisch, würde ich sagen, das würde die meisten Diskussionen rund um den Klimawandel und wie man ihm entgegenwirken kann, nichtig machen.

Ich persönlich habe aber eigentlich keine besonders große Angst vor einer solchen Eskalation. Bei uns gab es seit über siebzig Jahren keinen Krieg mehr. Dadurch – und da geht es mit Sicherheit nicht nur mir so – ist der Krieg so etwas Fremdes und Fernes geworden, das man höchstens noch in Spielfilmen oder den Nachrichten sieht.

Wir haben keine auch nur annähernd der Wirklichkeit entsprechende Vorstellung davon, was er bedeutet und was er mit Menschen und ihrem Leben anstellt.

Von daher kann ich mir auch nicht vorstellen, was wäre, wenn er auch nach Europa kommen würde. Das nimmt diesem Monster seinen Schrecken und mir die Furcht – es sei denn, ich denke genauer darüber nach.

Aber ich denke viel darüber nach. Zu viel. Vor allem dass ich keine Ahnung habe, was Krieg bedeutet, macht ihn zu einem perfekten Thema für schlaflose Nächte. Doch je mehr ich mich damit befasse, je mehr mir seine Grausamkeiten bewusst werden, desto größer wird meine Furcht.

Aber nicht nur, was unbedachte Entscheidungen von populistischen Politikern bewirken können, macht mir Angst. Sondern auch etwas wahrscheinlich sehr viel Schwerwiegenderes: der menschengemachte Klimawandel und was er für uns Menschen und die Welt, in der wir leben, bedeutet. Denn obwohl Wissenschaftler schon seit Jahrzehnten vor diesem Problem warnen und seine Auswirkungen schon heute spürbar sind, unternimmt der Mensch kaum etwas. Im Gegenteil: 2018 sind laut Statistischem Bundesamt so viele Deutsche geflogen wie nie zuvor. Wer kann da noch von Flugscham sprechen?

Habe denn nur ich Angst? Der Klimawandel betrifft uns alle, schließlich leben wir alle auf der selben Erde und wir alle machen die selbe Erde kaputt. Unsere Heimat, unsere Lebensgrundlage.

Und doch scheint es niemanden zu interessieren – niemanden in einer Machtposition. Obwohl es so offensichtlich ist.

Ein Beispiel: die Buschbrände in Australien. Diese gibt es zwar jeden Sommer in Down Under, aber nicht in diesem Ausmaß. Es ist bereits eine Fläche so groß wie Belgien abgebrannt und weit über einer Milliarde Tiere sind bei dem Feuer elendig verendet. Das ist nicht normal.

Aber wenn wir weiterhin nichts dagegen unternehmen, werden wir Zeugen von immer extremeren Naturkatastrophen werden. Trotzdem halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass der Mensch – und vor allem die Politik – handelt. Schließlich geht es besonders den größeren Parteien darum, bei den nächsten Wahlen wiedergewählt zu werden. Da haben langfristige Ziele keinen Platz – vor allem, wenn man dafür die Bürger und die Unternehmen einschränken müsste.

Solltet ihr bis dahin gelesen haben, fragt ihr euch sicherlich „Was hat das denn mit der Überschrift zu tun?“ Nun, ganz einfach: Angst betäubt.

Jedes Mal, das ich Nachrichten wie diese über Donald Trump und den Iran oder Artikel über den Klimawandel oder ähnliche Themen lese, fühle ich mich wie gelähmt. Gelähmt vor Wut. Gelähmt vor Angst. Gelähmt, weil es sich so anfühlt, als würde mir meine Zukunft wie Sand durch die Finger rinnen – unfähig, etwas dagegen ausrichten zu können.

Wieso sollte man sich dann noch für irgendetwas aktiv einsetzen? Wieso sollten wir dann überhaupt noch versuchen, das alles zu verhindern? Wieso sollte man dann noch jeden Morgen aufstehen um in die Schule, die Uni oder die Arbeit zu gehen? Wieso sollte ich dann diesen Blogbeitrag posten? Wenn es im Endeffekt doch sowieso nichts ändert.

Aber vielleicht ist es keine Lösung, wenn wir diese Erde entmutigt und hoffnungslos als verloren abschreiben. Denn es ist noch nicht zu spät, sich politisch zu engagieren, sich für seine Interessen einzusetzen und zu versuchen, etwas zu verändern. Und das gerade weil uns die Nachrichten so schockieren. Gerade weil wir Angst um diese Welt haben, sollten wir versuchen, sie zu retten. Egal wie naiv das klingt.

Der Versuch allein ist schon so viel wert, denn wir haben nichts zu verlieren und alles zu gewinnen.