political correctness

„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“

Wer hat diesen Satz denn noch nicht gehört? Oft verwenden ihn AfD-Politiker, um bei uns das Gefühl zu erwecken, wir würden vor lauter politischer Korrektheit in unserer Meinungsfreiheit eingeschränkt werden.

Charlton Heston hat das in seiner Rede 1997 etwas mehr auf den Punkt gebracht: „Political correctness is tyranny with manners“

Man könnte ja jetzt auf den ersten Blick meinen, beide Zitate haben nur bedingt etwas miteinander zu tun. Aber beide – Charlton Heston und unser hypothetischer rechts-konservativer Deutscher – wollen auf das Selbe hinaus:

Politische Korrektheit bedeutet nicht einfach, dass man Ausdrucksformen vermeidet, die andere Menschen auf welche Art und Weise auch immer diskriminiert. Nein, PC ist nichts weiter als eine Zensur unserer Meinungs- und Redefreiheit (laut Heston zensiert sich dabei sogar die Presse selbst).

Und ich finde, genau das ist schon grundlegend falsch.

Denn es geht bei politischer Korrektheit nicht darum, anderen nur Bestimmungen aufzuerlegen, was sie sagen dürfen und was nicht. Der Begriff steht für Vielfalt, für Gleichberechtigung, für einen höflichen Umgang miteinander. Ist das nicht auch eigentlich sehr konservativ? Was ist daran also so schlimm?

Und natürlich nervt es mich auch, wenn andere etwas zu übereifrig damit sind, Begriffe so umzuändern, dass sich niemand mehr dadurch angegriffen fühlt.

Ein Beispiel: Euphemismusketten wie bei „schwer erziehbare Kinder“.

Weil das zu negativ klingt und man sofort schreiende und wild um sich schlagende Kinder vor Augen hat, wurde dieser Begriff umbenannt zu „verhaltensgestörte Kinder“. Das war aber auch zu negativ ausgedrückt und wurde wieder umformuliert zu „verhaltensauffällige Kinder“, einem eigentlich ziemlich neutralen Begriff. Das war immer noch nicht genug, weswegen es jetzt „verhaltensoriginelle Kinder“ heißt.

Klingt doch ziemlich nett, nicht? Dabei könnte man sich ja fast kleine Künstler vorstellen, die Zuhause einfach nur ihre Kreativität ausleben. Jetzt ist die Kernaussage aber eine vollkommen andere als davor.

Denn durch diese vielen Änderungen wurde aus einem Kind mit Schwierigkeiten in sozialer Interaktion ein kleiner Mozart. Man hat nur das gleiche Problem sehr viel netter und positiver beschrieben.

Und das hilft niemandem. Man redet nur bestimmte Probleme in unserer Gesellschaft klein und vertuscht sie dadurch – ob bewusst oder unbewusst.

Aber auch, wenn der Mensch manchmal etwas zu übereifrig in Sachen politischer Korrektheit ist, ist das kein Grund, sie grundsätzlich zu verteufeln. Denn sie ist eigentlich nichts anderes als ein eventuell schlecht gewählter Begriff für etwas wirklich Wundervolles. Ja, sogar etwas grundsätzlich Christliches, das auch in unserem Grundgesetz zu finden ist: Die Gleichberechtigung aller. Und genau deswegen sollten wir auch versuchen, niemanden mit unserer Sprache zu diskriminieren.

Gerade weil es für uns so einfach ist. Es kostet uns nichts, weder Aufwand noch Geld. Und gerade weil es eben nicht nur eine Eigenheit von irgendwelchen linksgrün versifften Ökospinnern ist. Sondern eine Sache von Anstand.

Oder hast du etwa das Gefühl, du verlierst mehr, wenn du nicht mehr „Zigeuner“, „Eskimos“ oder „Penner“ sagen darfst? Mehr als die Personen, die sich dadurch ausgegrenzt und abgewertet fühlen?


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