Schule, ich vermisse dich

Also ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich vermisse die Schule.

Und nein, das sage ich nicht, um irgendwelche Lehrer glücklich zu machen und mich bei ihnen einzuschleimen. Ich meine das wirklich ernst.

Und das, obwohl gerade erst drei Tage vergangen sind, seit ich das letzte Mal einen Fuß in dieses Gebäude gesetzt habe.

Drei Tage, die sich wie eine kleine Unendlichkeit anfühlen.

Das ist besonders lustig, wenn man bedenkt, dass ich mich ansonsten nach zwei Wochen Ferien wundere, wie die Zeit so schnell verfliegen konnte und dann eigentlich gleich nach den ersten fünf Minuten Unterricht wieder nach Hause will.

Aber das hier ist anders. Das hier sind nicht einfach irgendwelche Ferien. Ferien, in denen ich einfach in die Stadt fahren kann, um Freunde zu treffen, oder in denen ich sonst irgendwelche sozialen Kontakte habe.

Nein, das hier werden die vermutlich einsamsten fünf Wochen in meinem bisherigen Leben sein. Aber damit bin ich wahrscheinlich nicht alleine.

Noch dazu gibt es gefühlt gar nichts, das einen darüber hinwegtrösten kann, Menschen, die man mag, für eine Ewigkeit nicht mehr sehen zu können.

Alle Veranstaltungen, bei denen Menschen zusammenkommen, wurden gestrichen. Alle Kinos, Bars, Fitnessstudios, Schwimmbäder und was es sonst noch gibt fürs Erste geschlossen.

Also fällt jetzt der letzte Ort weg, an dem ich die Menschen sehe, die mir jetzt so fürchterlich fehlen.

Aber natürlich geht der Unterricht weiter. Denn geschlossene Schulen bedeuten nicht gleich kein Unterricht. Wir müssen immer noch Stoff machen. Und wir müssen immer noch Klausuren und Schulaufgaben über eben diesen Stoff schreiben. Da sind zwei, beziehungsweise drei Wochen, die dann einfach fehlen, fatal. Also werden sie weiter versuchen, uns zu unterrichten, solange sie die Möglichkeit dazu haben.

Wobei…

Machen wir denn wirklich Unterricht? Ich zum Beispiel hätte gestern bis um fünf Uhr Schule gehabt. Und wisst ihr, wie viele Stunden ich tatsächlich für die Schule verwendet habe? Insgesamt zwei. Und davon habe ich allein eine halbe Stunde dafür verschwendet, unseren Drucker zum Laufen zu bringen, um mir Arbeitsblätter auszudrucken. Und sogar eine ganze Stunde – wenn nicht sogar mehr – habe ich damit verbracht, an mebis zu verzweifeln, weil die Website mit so vielen Anfragen schlichtweg überfordert war.

Wobei das doch auch ziemlich bezeichnend für Bayern und damit auch Deutschland ist: Das Internet ist noch immer Neuland.

Also gibt mir nicht einmal der Ersatz-Unterricht online die Chance, meine Zeit effektiv zu nutzen und produktiv zu sein. Und die Tage werden noch leerer und leerer.

Also ja, ich vermisse die Schule. Ich vermisse es, einen geregelten Tagesablauf zu haben, bei dem ich abends zurückblicken kann und meistens das Gefühl habe, ein Stück weiter gekommen zu sein. Ich vermisse es, jeden Tag tolle Menschen um mich herum zu haben, die diesen Alltag, der manchmal doch eher eintönig und grau ist, ganz einfach bunt machen.

Und ich weiß, die Schulen zu schließen, war die einzig vernünftige Entscheidung, um die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen. Aber darf es dann nicht trotzdem weh tun?


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