Von Langeweile, neuen Chancen und großer Wehmut.

Momentan habe ich so viel Zeit, wie schon seit Jahren nicht mehr. Hätte mir jemand vor 4 Monaten gesagt, ich würde die gesamte Klausurenphase 11/2 zu Hause verbringen und Däumchen drehen, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Doch genau das ist jetzt eingetreten. Und ich muss sagen, es ich schon recht entspannt… wer lernt auch gerne? Klar sind es aber auch verspielte Chancen, um den Schnitt zu verbessern. Dafür gibt es aber auch noch die Ersatzprüfungen, welche es mir aber nicht so angetan haben. Power-Learning über den ganzen Halbjahres-Stoff und am Ende verschlechtert man sich vielleicht sogar noch? Lieber nicht. Ideal wäre es, wenn man sich aussuchen könnte, ob man die Note zählen lässt oder nicht. So wird es z.B. auf der FOS gehandhabt. Warum man das nicht auch bei uns so machen kann, ist mir schleierhaft. Kultusministerium halt.

Die Lehrer schicken freudig Arbeitsaufträge, einige davon scheinen sinnvoll, manche eher wie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. An diesen sitzt man auch schon mal ein paar Stunden am Tag, aber wenn man sich beeilt, hat man ein paar Tage gar nichts zu tun und kann entspannen. Mir gefällt es mittlerweile ganz gut von Daheim aus zu arbeiten. Ich merke jetzt noch viel mehr, wie wichtig Ausschlafen wirklich ist. Die erste Schulwoche war ich einfach so unglaublich fertig, obwohl die Schultage kürzer und deutlich entspannter als normal waren. Mich hat der Schul-Rhythmus komplett aus der Bahn geworfen. Ich war die ganze Woche einfach nur tot müde und antriebslos. Doch im Home-Office steh ich ausgeschlafen auf und kann mehrere Stunden am Stück problemlos Schule machen. Und am Nachmittag habe ich sogar noch Energie für Sport und vieles andere übrig. Die meisten SchülerInnen haben eben einen anderen Schlafrhythmus als die Schule es vorgibt. Es wird ja immer wieder überlegt, ob die Schule erst um neun Uhr starten soll und meiner Meinung nach, ist jetzt die perfekte Zeit für Veränderungen. Man sieht ja, dass zurzeit vieles gut funktioniert, obwohl man es vorher gar nicht für möglich gehalten hat.

Trotz der Arbeitsaufträge, hält bei mir die Langeweile Einzug. Ich muss zugeben, ich bin es gar nicht mehr richtig gewohnt mich selbst zu beschäftigen. Unter der normalen Schulzeit habe ich fast keine Freizeit, wie auch bei 11 Stunden Unterricht und dann noch für Klausuren und Abfragen lernen. Langeweile kommt da ganz sicher nicht auf. In den Ferien bin ich eigentlich auch jeden Tag beschäftigt, ich will dann meistens alles nachholen, was ich während der Schulzeit verpasst habe. Freunde treffen, Feiern gehen, Ausflüge etc. gehören da für mich dazu. Doch in den letzten Wochen, hatte man keine Möglichkeit seine Freunde zu treffen oder mal raus zu kommen. Geburtstagspartys wurden auf ungewisse Zeit verschoben, sämtliche Partys für die nächsten Monate wurden abgesagt, und sich mit der Clique einfach mal an den See setzten könnte auch problematisch werden. Die Aussichten für Jugendliche, sind in diesen Zeiten alles andere als rosig. Bis ich den nächsten Club von innen sehen werde, werden wir wohl schon 2021 haben. Klar sind das jetzt First World Problems, immerhin müssen wir uns keine Sorgen um unsere Existenz machen, wie so viele andere Zurzeit. Gerade Restaurants, Bars und Kultureinrichtungen leiden unter der Situation. Wehmut kommt aber trotzdem auf. Man muss sich also zurzeit selbstbeschäftigen, leichter gesagt als getan. Meistens schaue ich Netflix, Backe oder Koche und manchmal lese ich sogar etwas. Aber Spaß macht das auf Dauer auch nicht. Mir fehlen die sozialen Kontakte einfach viel zu sehr. Ich bin heil froh, dass langsam Lockerungen kommen. Immerhin kann man sich wieder mit einer Person bzw. Haushalt treffen und sieht die Hälfte seiner Freunde in der Schule.

Aber natürlich hat man auch für Dinge Zeit, die sonst einfach unter den Tisch gefallen wären. Mein Zimmer ist jetzt dauerhaft aufgeräumt, sämtliche Fotos der letzten 10 Jahre sind sortiert, der Kleiderschrank ist ausgemistet und hin und wieder mach ich sogar Sport. Ich versuche in dieser Zeit jetzt einfach meine Kraftreserven aufzutanken, damit ich in der 12. Klasse wieder richtig durchstarten kann. Aber die Umstellung von Entspannung auf Leistung wird schon hart.


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