Interview mit einer Hebamme

Vor ein paar Wochen bin ich zum zweiten Mal Tante geworden. Irgendwann, fällt in diesem Zusammenhang der Begriff „Hebamme“. Natürlich weiß jeder ungefähr was eine Hebamme so macht, aber wie wird man z.B. eine? Welche Aufgaben hat man? Oder welche Eigenschaften sollte man für den Beruf mitbringen? Im folgenden Artikel möchte ich über diesen tollen Beruf aufklären und habe dazu Nadine Polewka interviewt. Sie ist 41 Jahre alt und arbeitet als freie Hebamme. Sie übernimmt dabei Tätigkeiten wie Vor- und Nachsorge, Rückbildungskurse, Mama-Fitness und Beratung.

  1. Wann wussten Sie, dass Sie Hebamme werden wollen?

Seit dem Praktikum in der 8. Klasse der Realschule, also etwa mit 14 Jahren.

2. Warum haben sie sich für den Beruf Hebamme entschieden?

Während meines Praktikums war ich bei einer Geburt dabei, diese Erfahrung war so beeindruckend. Ab diesem Moment wusste ich, dass ich das später mal machen möchte.

3. Wie lange dauert die Ausbildung?

3 Jahre.

4. Kann man das auch studieren?

Ja, man kann sowohl eine Ausbildung machen als auch ein Studium an der FH. Ab 2027 muss man sogar studieren. Eine Ausbildung kann aber immer noch gestartet werden, wenn sie bis 2027 abgeschlossen ist.

5. Ist die Ausbildung sehr anstrengend?

Ja die Ausbildung ist schon anspruchsvoll. Da einen die meisten Schulen erst mit 18 Jahren aufnehmen, habe ich vorher eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin gemacht, diese war schon einfacher. Man muss viel lernen aber vor allem ist es emotional sehr fordernd. Irgendwann erlebt man auch eine Totgeburt und da ist es gut, wenn man eine gewisse emotionale Reife hat. Ich persönlich habe mit 21 die Ausbildung begonnen. Außerdem kommt es, bei unter 18-Jährigen, zu Problemen mit dem Jugendschutz, da man keine Nachtschichten machen darf. Dies führt wiederum zu organisatorischen Problemen für die Schulen. Offiziell dürfte man die Ausbildung aber schon mit 16 beginnen.

6. Was macht ihnen an ihrem Beruf am meisten Spaß?

In der Geburtshilfe selbst zu arbeiten ist schon sehr faszinierend, man hilft dabei einem kleinen neuen Menschen auf die Welt. Auch ist es sehr schön als Vertrauensperson der Familie mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

7. Was war der schönste Moment bis jetzt?

Es gab so viele schöne Momente aber generell ist es am schönsten, wenn die Situation kritisch aussieht und dann aber doch alles gut geht.

8. Wo kann man überall als Hebamme arbeiten?

Im Krankenhaus (Kreissaal oder Wochenbettstation), in einem Geburtshaus, in einer Arztpraxis, in Beratungs- und Verwaltungsstellen, als Ausbilderin oder als freie Hebamme (Hausgeburten, Vor- und Nachsorge, Rückbildung, Fitness, etc.)

9. Wie sieht ihr Job Alltag aus?

Ich habe eine kleine Tochter und arbeite deswegen gerade nur etwa 15-20 Stunden in der Woche. Am Tag mache ich etwa 2-3 Hausbesuche, gerade in der Corona Zeit auch immer öfter mal telefonische Beratung. Dann mach ich einmal in der Woche einen Mama-Fitness und einen Rückbildungskurs. Außerdem muss ich noch Büroarbeiten erledigen.

10. Welche Eigenschaften sollte man mitbringen?

Empathie, Geduld (man sollte ruhig bleiben und die Nerven behalten) und Verantwortungsbewusstsein.

11. Gibt es auch männliche Hebammen?

Ja, sie werden als Entbindungspfleger bezeichnet und es gibt zwei in Deutschland.

12. Wem empfehlen sie den Beruf weiter?

Sozialen Menschen, da der Beruf viel Einfühlungsvermögen erfordert. Auch sollte man Belastungsfähig sein, physisch und psychisch. Jedoch muss man sagen, dass der Beruf momentan eher wenig lukrativ ist. Mit gutem Gewissen kann man ihn erst wirklich empfehlen, wenn sich im deutschen Gesundheitssystem einiges ändert. Hebammen sind so wichtig, jedoch wird der Beruf nicht entsprechend geschätzt und entlohnt.

13. Was wünschen sie sich für ihren Berufsstand in der Zukunft?

Dass der Beruf generell mehr geschätzt und anerkannt wird. Die Bereitschaft, der Schichtdienst und die große Verantwortung soll besser entlohnt werden. Mit der Einführung des Pflichtstudiums soll das Ansehen und somit auch das Gehalt erhöht werden, jedoch ist fraglich ob das klappt. Im Deutschen Gesundheitssystem läuft einfach viel zu viel falsch, nicht nur im Bereich der Geburtshilfe. Würden sich die Arbeitsbedingungen bessern, gäbe es auch wieder mehr Hebammen. Wenn sich nichts ändert, können bald viele Frauen nicht mehr die Dienste einer Hebamme in Anspruch nehmen. Im Landkreis Landsberg geht die Situation noch einigermaßen. Die Frauen melden sich meistens zwischen der sechsten und 15. SSW an. In München aber hat man nach der 12. SSW jedoch keine Chance mehr auf eine Hebamme. Auch wird es problematisch, wenn das Kind in den Sommerferien oder in den Weihnachtsferien auf die Welt kommt, da die meisten Hebammen selbst Kinder haben und in der Zeit nicht so viel arbeiten können.

14. Der Beruf in drei Worten:

Aufregend, Emotional, Faszinierend

Nadine Polewka, Hebamme


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