Was verinnerlichter Sexismus und Nägelkauen gemeinsam haben

Eine Frage an alle Mädels: Habt ihr schon mal ein anderes Mädchen angeschaut und euch das (oder ähnliches) gedacht:

Wieso zieht sie sich bloß so an? Wieso schminkt sie sich so viel? Wieso spricht sie immer so viel? Wieso hält sie sich für so wichtig?

(Und ist euch auch mal aufgefallen, dass ihr sowas wahrscheinlich nicht über Jungs denkt?)

Vielleicht bin ich ja auch die einzige, die sich diese Sachen manchmal gedacht hat, nur um sich dann beschämt zu fragen, warum eigentlich? Ich habe das bisher tatsächlich niemandem erzählt, und ich glaube, dass meine Familie und Freunde schon ein bisschen überrascht wären, wenn sie von diesen Gedanken wüssten, denn normalerweise bin ich ein sehr positiver und toleranter Mensch. Ich war auch selbst sehr verblüfft und verstört von mir, als ich mal darüber nachgedacht habe und habe mich dann gleich informiert:

Internalisierter oder verinnerlichter Sexismus beschreibt die sexistische Grundhaltung einer Frau gegenüber anderen Frauen. Die Sätze, die ich am Anfang aufgelistet habe, sind also eine Art von verinnerlichten Sexismus.

Jetzt will ich natürlich als Frau nicht andere Frauen diskriminieren, wieso tue ich es dann doch?

Ich denke, es hat mit meiner Erziehung bzw. mit der heutigen Gesellschaft zu tun. Man eignet sich leicht (und unbeabsichtigt) Denkweisen der Gesellschaft an, die man schon immer, oft auch nur unbewusst als allgemein akzeptiert wahrgenommen hat.

Nachdem ich das realisiert habe, stelle ich mir die Frage: Was soll ich machen? Soll ich mein ganzes Leben mit dieser schlechten Einstellung verbringen? (Jetzt sind wir auch am Punkt angekommen, an dem ich die Frage im Titel beantworten werde!)

Man kann verinnerlichten Sexismus nämlich abgewöhnen (genau wie Nägelkauen). Da einem diese Perspektive angewöhnt wurde, kann man sie wieder abgewöhnen. Macht Sinn, oder?

Indem ich euch etwas über verinnerlichten Sexismus erzählt habe, wisst ihr jetzt hoffentlich, ob es euch betrifft oder nicht (Und Einsicht ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung!).

Das nächste Mal, wenn ihr euch dabei erwischt, einen der oben genannten Sätzen zu denken, fragt euch doch mal, warum ihr das denkt: Hat die Betroffene wirklich etwas schlechtes gemacht, oder ist eure Abneigung grundlos?


Ein Gedanke zu “Was verinnerlichter Sexismus und Nägelkauen gemeinsam haben

  1. Sehr gute und, wie ich denke, richtige Gedanken. Allerdings gibt es das auch so bei bzw. unter Männern. Und von Männern gegenüber Frauen sowieso. Aber, auch wenn du andere Erfahrungen andeutest, genauso von Frauen über gegenüber Männern.
    Ich stell(t)e mir die gleichen Fragen auch, komme aber zu dem Schluss, dass etwas, was letztlich jeder daernd gegenüber irgendwem macht vielleicht doof, aber eben letztlich auch normal ist. Abstellbar ist es kaum, da vieles unbewusst erfolgt, hat ja auch mit althergebrachten Instnkten zu tun, die wir Menschen so einfach eben nicht ablegen, auch wenn wir uns theoretisch tasendmal was Moderneres wnscen. Das kategorisieren, typisieren von mesnche, das einschätzen von „wie ich“ und „ein anderer“ war zu lange überlebensnotwendig, um es sich einfach so wegzuwünschen. Und ausgedient hat es zwar auf der großen Politik- und Moralbühne, auf der Alltäglichen aber nicht. Um zu wissen wen ich mag, mit wem ich durchs Leben schreiten wil, um zu eruieren wie intensiv eine Beziehung werden kann oder darf ist es eben unabdingbar sich nach und nach eine Vorabmeinung über wen zu bilden. Klar, das ist oft fies, unfair, falsch. Und oft wird man überrumpelt, weil dieder, dendie man irgendwie mit guten Prädikaten und Adjektiven überschüttete sich als das Gegenteil entpuppt. So entstehen dann bekanntlich Wnden, die große seelische Enttäuschung.
    Kurzum: da ich auch die Wichtigkeit in dem sehe, verdamme ich dieses Verhalten erst ab einem gewissen Grad. Und vermeide auch die großen Schlagworte wie Sexismus oder Rassismus. Entweder es harmoniert was oder eben nicht. Ich persönlich versuche mir eher anzueignen aus mir heraus weniger „angefasst“ zu sein, wenn ich merke jemand macht das mal wieder mit mir. Haut mich in eine Schublade, in der ich mich selbst gar nicht sehe. Soll sie oder er doch, schulterzucken, ist normales Menschengehabe. Einer der wenigen Vorteile der Überbevölkerung: genug Leute da, mit denen man harmonieren kann. Mans telle sich vor man würde mit allen harmonieren, jeder fände jeden gut, herrje, ich glaube so toll wäre das gar nicht, klingt ziemlich anstrengend;-) Liebe Grüße in den Donnerstag!

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