Albtraum à la Frau Fronius

Albtraum à la Frau Fronius

Fast jeder Schüler träumt davon, nach dem Abi zu verreisen, neue Länder und Kulturen kennenzulernen und sich vom ganzen Schulstress zu erholen.                                                So wollte auch unsere Lehrerin Frau Fronius nach ihrer Schulzeit einige Zeit in Costa Rica verbringen. Aber diese Reise kam anders als sie sich das erhofft hatte. Oder zumindest stellte die Anreise beinahe eine größere Herausforderung als das Abitur dar…PURA VIDA eben!

Für die 19-jährige Abiturientin fing alles am Flughafen in Frankfurt an. Sie stand früh morgens pünktlich um 7 Uhr nervös am Gate, nachdem man sich die Tage davor stundelang von Freunden und Familie verabschiedet hatte, als sie erfahren musste, dass ihr Flug eine unbekannte Verspätung hatte. Genervt, aber davon überzeugt, dass das ja immer mal passiert, kein Drama ist und es bald losgehen würde, wartete sie stundenlang in der Abflughalle, ohne dass es weitere Auskünfte der Fluggesellschaft gegeben hätte. Als sie am Nachmittag erfuhr, dass die technischen Probleme, die am Morgen festgestellt wurden, behoben waren, war sie froh, endlich nach Spanien losfliegen zu können, wo sie dann ihren Anschlussflug nach Costa Rica antreten konnte. Aber auch das sollte anders verlaufen… Das Flugzeug war gerade vom Boden abgehoben, als plötzlich alle Lichter in der Kabine ausfielen und erneut technische Probleme festgestellt wurden. Unter panischen Schreien der Passagiere musste das Flugzeug am selben Flughafen in Frankfurt wieder „notlanden“. Emotional aufgewühlt von dem nur kurzen Anflug warteten alle Fluggäste auf ein anderes Flugzeug, das sie nach Spanien bringen konnte, wieder am selben Gate wie eine Stunde zuvor. Doch dort gab es zu allem Überfluss in prompt diesem Moment eine Bombendrohung. Polizisten und Hunde kamen angestürmt und ließen den Bereich vorsichtshalber räumen. Die Meldung stellte sich zum Glück ein paar Minuten später als falsch heraus, was alle zumindest kurzzeitig aufatmen ließ. Die Fluggesellschaft gab zudem bekannt, dass nun kein neues, sondern das Flugzeug repariert nochmal nach Spanien starten würde. Überfordert (wann in seiner Schulzeit wurde man auf eine derartige Situation vorbereitet?) und mit Zweifeln an der Funktionalität des Flugzeugs, sprach Frau Fronius hilfesuchend eine Stewardess an, ob sie in den Flieger steigen sollte oder lieber nicht. Die Stewardess konnte die junge Frau mit den Worten, dass sie auch nicht mitfliegen würde, wenn es nicht wirklich sicher wäre, beruhigen. Also stieg unsere Lehrerin wieder in das inzwischen zweimal reparierte Flugzeug und kam mit einem etwas mulmigen Gefühl sicher bei Einbruch der Dunkelheit endlich in Madrid an. Natürlich hatte sie keine Chance mehr, an diesem Tag noch einen Anschlussflug zu bekommen. Allen Fluggästen wurde daher ein Transfer zu einem Hotel zur Verfügung gestellt, doch kaum dort angekommen musste Frau Fronius die nächste Hiobsbotschaft erfahren. Im dem Hotel gebe es nicht genug Einzelbetten und die Fluggäste müssten ihre Zimmer teilen. All den Reisenden war es nach der Odyssee mittlerweile schon völlig egal, in welcher Zimmersituation sie schlafen mussten und so lag Frau Fronius völlig übermüdet nach einem schnellen Abendessen im Bett neben einer Honduranerin (weiblich!). Als am nächsten Tag die Sonne am blauen Himmel Spaniens zu sehen war, kamen langsam Urlaubsgefühle bei den gestrandeten Reisegästen auf, man frühstückte gelassener als am Tag zuvor miteinander und machte sich dann wieder auf zum Flughafen. Doch schon kam der nächste Schock auf unsere Lehrerin zu, denn ihr wurde mitgeteilt, dass es überhaupt keinen Direktflug nach Costa Rica an diesem Tag gab und sie deswegen zunächst nach Guatemala fliegen müsse, von dort dann aber problemlos nach Costa Rica weiterfliegen könne. Das war eindeutig zuviel für die frischgebackene Abiturientin, Tränen standen ihr in den Augen und sie bezweifelte stark ihr übermütiges Vorhaben, allein in die Welt ziehen zu wollen bzw. die Annahme, der Erhalt des Abiturs würde überlebensfähig machen. Der Mann am Schalter hatte sichtlich Mitleid und gab der aufgelösten Frau Fronius, die immer nur tranquillo tranquillo hörte, tatsächlich seine Nummer, um im Problemfall erreichbar zu sein, nachdem er ihr Gepäck auf den Flug nach Guatemala gebucht hatte. Ein paar tranquillos später saß Frau Fronius also wieder im Flugzeug, 18 Stunden harrte sie in der Mitte der ersten Reihe zwischen zwei vollschlanken Mitreisenden aus und starrte auf den Bildschirm frontal vor ihr. Etwas Körperentspannung trat erst wieder ein, als eine nette Stewardess sich ihrer nach der Landung in Guatemala annahm und ihr dabei half, den Weiterflug nach Costa Rica zu finden. Im Nachhinein hatte sie das wohl dem tranqullio-Mann zu verdanken.

5 Monate später am Tag vor Weihnachten….

Ihre zwei Tage Verspätung bei der Hinreise hatte im Nachhinein tatsächlich noch einen Vorteil, wie sich bei ihrer Heimreise herausstellen sollte. Frau Fronius hatte sich aus Kostengründen ein offenes Ticket für den Heimflug nach Deutschland gebucht, aber keinen fest reservierten Sitzplatz. Deshalb wurde sie am Schalter beim Check-In freundlich darauf hingewiesen, dass sie nur mitfliegen könnte, wenn noch ein Platz im Flugzeug frei sei. In panischer Erinnerung an ihren Hinflug überfiel Frau Fronius dem „armen“ Mann am Schalter förmlich mit ihren beinahe unglaubwürdigen Erlebnissen und stellte klar, dass sie nicht noch einmal so eine Flugreise durchmachen würde und zu 100 Prozent auf diesem Flieger sei. Wer Frau Fronius kennt, weiß, wie überzeugend sie auftreten kann, und so war sie auf den Flug eingebucht.

Zu ihrer großen Überraschung kam sie nicht nur pünktlich am 24. Dezember morgens in Frankfurt an, sondern sah ihren großen Rucksack neben (!) dem Gepäckrollband mit einem Schild stehen: PRIORITY (VIP). Mit Sommerkleidung, Espadrilles, natürlich verfilzten Haaren, tief gebräunt und VIP-Gepäck endete die erste große Reise unserer Lehrerin, auf der sie feststellen musste, Abitur und pura vida sind zwei ganz unterschiedliche Dinge.

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