Die drei Möglichkeiten am Lumpigen Donnerstag

Die drei Möglichkeiten am Lumpigen Donnerstag

Nächste Woche ist er wieder der Tag, an dem alles anders ist. Schon morgens auf dem Weg über den Hauptplatz wird klar, dass eine stille Übereinkunft getroffen wurde, den Grundsatz „Kein Bier vor Vier“ kollektiv zu missachten. Doch damit nicht genug! Es sind viele Menschen in seltsamen Gewändern zu sehen.

Was ist das? Ein heidnischer Kult? Es scheint fast so, denn später am selben Tag versammelt sich die bunte Menge, um einer Prozession durch das Stadtinnere beizuwohnen, die aus bebauten Wägen besteht. Aus dem Inneren jener Wägen schallen ihre Choräle. Es sind zwar immer die gleichen „heiligen Klänge“, jedoch ertönen sie alle durcheinander und in einer Lautstärke, die es erlaubt, sie auch alle gleichzeitig zu hören, ganz egal, wie weit der Wagen weg ist. Frenetisch jubelt die Menge ihren Götzen auf den Wägen zu. Als Dank dafür wird sie mit Süßigkeiten bombardiert. Weitere Bestandteile dieses Spektakels sind anscheinend der übermäßige Konsum von Alkohol für jeden, der irgendwie als 16 durchgeht und der anschließende Besuch in einem jener Tempel, die „Festzelt“ genannt werden.

Ihr wist natürlich, wovon ich spreche: Es ist mal wieder so weit: Der Lumpige Donnerstag mit all seinen Freuden steht vor der Tür.

Doch wie genau betrifft uns der „Lumpige“- abgesehen von den jährlichen Schauergeschichten von alkoholisierten Schülern – an der Schule?

Zunächst einmal wäre da der Umstand, dass sich kaum jemand wirklich konzentrieren kann. Nach dem Entschluss der Schulen, nicht mehr am Faschingsumzug teilzunehmen ist ein Loch entstanden, das bis jetzt noch nicht richtig gefüllt wurde. Da das gemeinsame Event „Umzug“ nun nicht mehr besteht, ist der Nachmittag in der Stadt für viele das einzige, worauf sie sich an diesem Tag freuen können – die Motive dafür variieren natürlich zwischen den Altersgruppen sehr stark. Nichtsdestotrotz lässt sich die Vorfreude auf den Nachmittag förmlich spüren und je höher der Jahrgang, desto stärker lässt sie sich auch an der Atemluft riechen. Ob letzteres nun wirklich Vorfreude oder doch eher ein anderer Duft ist, lassen wir an dieser Stelle mal offen. Fakt ist aber, dass sich kaum ein ruhiges Klassenzimmer finden wird, egal ob das aufgrund von aufgeregten Unterstuflern oder außer Gefecht gesetzten Oberstuflern der Fall ist.

Umso anstrengender ist es dann, Unterricht zu haben, sowohl für Schüler als auch für Lehrer. Als Folge der ständigen Unruhe ergeben sich in der Regel drei Szenarien im Klassenzimmer:

Entweder, die Lehrkraft gibt nach und die Klasse geht dazu über, einen Film zu schauen (an dieser Stelle sei das absolute Meisterwerk „Donald Duck im Reich der Zahlen“ hochgepriesen) oder die Lehrkraft bleibt standhaft und macht regulären Unterricht – oft unter einem allgemeinen Aufstöhnen der Schüler. Was allerdings fast noch schlimmer ist, sind die Klassen, in denen unter Zwang und auf Teufel komm raus der Fasching „zelebriert“ wird. Diese Variante ist dann meistens begleitet von „Karnevalsmusik“ und Unmengen an Mohrenköpfen, sowie der obligatorischen Tanzeinlage, bei der keiner so recht mitmachen will.

In allen Fällen hat letztendlich keiner der Anwesenden wirklich Lust, am Unterricht teilzunehmen und sowohl Lehrende als auch Belehrte können es kaum erwarten, endlich den rettenden Schlussgong zu vernehmen. Schnell wird die Frage gestellt, die zwar in allen Köpfen herumgeistert, aber von wenigen ausgesprochen wird: „Warum machen wir das überhaupt? Es ist ja schließlich der Lumpige Donnerstag!“.

Zwar kann die Schule uns nicht mit einem früheren Unterrichtsschluss entgegenkommen, allerdings gab es die letzten Jahre immerhin das gnädige Angebot, eine Polonaise zu veranstalten. Und so begibt es sich jedes Jahr zur zweiten Pause, dass ein Schulsprecher die Ehre hat, an der Spitze einer Schülerschlange das Gebäude abzuschreiten und nicht eher zu ruhen, als dass er seine Pflicht getan und alle Schüler mindestens einmal durch die Aula geführt hat. Das mag zwar für jüngere Schüler ein großartiges Angebot sein, jedoch wird relativ schnell deutlich, dass auch dieser Spaß seine (Alters)Grenzen hat. Außerdem stellt sich auch hier die Frage, inwiefern es sinnvoll ist, den Tag zwar offiziell als normalen Schultag zu händeln, ihn dann aber mit 15 Minuten gezwungener „Jeckerei“ zu durchbrechen, die vor allem ältere Schüler eher frustriert als beglückt zurücklässt.

Doch mit dem Ende des Schultags ist das Ganze ja noch nicht vorbei. Mit dem Gong strömen unzählige Schüler in Richtung Innenstadt, um dort endlich ein bisschen Spaß zu haben. Hier werden die Erinnerungen gemacht, die den Gesprächsstoff für die nächsten zwei Wochen liefern. Während das bei jüngeren Jahrgängen ein eher unschuldiger Vorgang ist, kommen diese Erinnerungen bei älteren scheinbar nur durch übermäßigen Alkoholkonsum und den Pflichtbesuch im Palazzo zustande, wo man sich dann zusammen mit tausenden Gleichgesinnten um eine der zwei Bars drängt, denn nur so lässt sich über den Umstand hinwegsehen, dass phasenweise in 15 Minuten drei Mal der gleiche Schlager zu hören ist.

Das End´ vom Lied?

Auch am nächsten Tag ist kaum jemand anzutreffen, der tatsächlich in der Lage oder Stimmung ist, im Unterricht zu sein. Wer nicht zu müde oder verkatert ist, der tut so – man will ja schließlich auch was zu erzählen haben. Und so wird auch der Freitag mit Filmen und Erzählungen vom Vortag totgeschlagen, bevor endlich das Wochenende kommt.

Aber was wären denn sinnvolle Alternativen zum jetzigen Modell? Gibt es eine Möglichkeit, diesen Schultag auf angenehme Weise zu gestalten?

Meiner Meinung nach wäre bei diesem Thema etwas mehr Konsequenz vonnöten. Entweder, man hat als Schule eine gemeinsame Faschingsveranstaltung, an der alle Stufen beteiligt sind, oder man lässt das Ganze bleiben und versucht irgendwie, den Schultag halbwegs erträglich zu gestalten. So oder so wird man diejenigen, die es darauf anlegen, sich am LumpiDo zu Schulzeiten oder davor zu betrinken nie vollständig daran hindern können, das zu tun. Natürlich ist es schwieriger, die Schüler zu beaufsichtigen, wenn alle gemeinsam an einem „Faschingsprojekt“ teilnehmen, andererseits könnte die Zahl derer, die am Donnerstag dazu tendieren, sich ihren „Spaß“ einzuflößen, möglicherweise durch eine gemeinsame Aktivität, die tatsächlich Spaß macht, verkleinert werden.

Letztendlich bleibt der „Lumpige“ an der Schule ein schwieriges Thema, für das es keine eindeutige Lösung zu geben scheint.

Doch was meint ihr, gibt es gute Alternativen? Lasst gerne einen Kommentar mit eurer Meinung da!

Bild: http://www.pexels.com (kostenfreie Lizenz)

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