Schreibfaule Jugend?

Schreibfaule Jugend?

Heute Präsentation der Seminare für kommendes Schuljahr: An Tischen verteilt sitzen die jeweiligen Lehrer, die ein Seminar anbieten, und wie bei einem Jahrmarkt spazieren die Schüler der zehnten Jahrgangsstufe durch unsere Aula und bleiben an dem Tisch stehen, bei dem sie ein interessantes Angebot sehen, über das sie mehr wissen wollen.

Wenn man als Lehrer für Deutsch und Religion ein Seminar anbietet, hat man normalerweise die ersten 20 Minuten eine ruhige Zeit, bis die Schüler erst einmal die Hauptatraktionen abgeklappert haben: Das können Seminare sein, bei denen man die halbe Erdkugel erradelt, Bier braut oder einen Fitnessraum einrichtet, oder in denen die Kunstlehrer ihre Fanschar um sich versammeln. Nach dieser Zeit ist dann meine große Stunde gekommen, in der ich bettle, dass doch Deutsch als Zweit- oder Drittwahl vielleicht gar nicht so schlecht sein könnte…

Aber was war heute in der Aula los? Gleich nach wenigen Minuten eine ganze Horde von Schülerinnen, die sich erkundigen, wie sie unbedingt in das BLIKG.BLOG-Seminar kommen können. Aussagen, wie „Mir macht schreiben einfach Spaß“ und „Das mit dem Bloggen ist einfach cool“ waren mehrfach bei vielen sehr interessierten Mädchen und Jungs (!) zu hören.

Wie schön!

Und wie traurig zugleich!

Traurig?

Schreibbegeisterung ist im Deutschunterricht der Oberstufe nur selten zu spüren – Übungsaufsätze werden lediglich als freiwillige Kür angesehen, für die man sich niemals aus eigenen Stücken opfern würde und Schreibaufträge werden häufig so lange herausgezögert, bis die Zeit für den Arbeitsauftrag abgelaufen ist.

Wie kommt es zu diesen unterschiedlichen Wahrnehmungen? Warum haben viele eigentlich Lust zum Schreiben und mit dem Deutschstundenbeginn verpufft das Interesse mit einem Mal?

Eine Stunde später:

Nach der Vorstellung für die Seminare treffe ich mich zu einer Arbeitssitzung mit ein paar Schülerinnen und Schülern. Nachdem wir alles Notwendige besprochen haben, plaudern wir ein wenig über Schule und Welt und kommen auf andere Schularten und -systeme zu sprechen. „Wissen Sie“, meinte eine Schülerin, „wie man bei der Montessori-Schule zum Gymnasium sagt: Regelschule – nichts als Regeln!“

Vielleicht ist´s das, was vielen den Deutschunterricht vermiest: Die vielen Regeln, die (als Hilfestellung) zum Schulaufgaben-Erfolg führen sollen.

Vielleicht ist´s das… Aber wenn ich mir vorstelle, die letzte Schulaufgabe in Deutsch der 9.Jahrgangsstufe hätte die Aufgabenstellung, einen Blogbeitrag zu verfassen, könnte ich mir schon vorstellen, dass die Lust am Bloggen in der Freizeit auch verschwindet.

Vielleicht lassen wir die Schulaufgaben im Deutschunterricht und das Bloggen in unserer Freizeit und warten noch, bis uns der Geistesblitz kommt, wie einmal Deutsch das Lieblingsfach der Schüler wird, eben weil man so viel schreibt.

Bis es so weit kommt, können wir ja noch fröhlich bloggen: Der BLIKG.BLOG freut sich auch weiterhin auf neue Mitglieder, die in ihrer Freizeit gerne bloggen – und vielleicht sogar auch im Deutschunterricht. Und das nicht nur im P-Seminar im nächsten Schuljahr, sondern auch gerne jetzt und sofort als freier Mitarbeiter oder in unserem Wahlkurs.

Vielen lieben Dank, liebe Zehntklässler, für die Aussagen „Schreiben bzw. Bloggen macht doch Spaß“ – das vergisst man fast vor lauter Schulaufgabenvorbereitungen, Klausuren und Korrekturen..

Und übrigens: Der BLIKG.BLOG freut sich auch weiterhin über Autorinnen und Autoren: Schickt uns doch einfach eine Nachricht, dann informieren wir Euch, wie auch ihr am BLIKG.BLOG mitwirken könnt!

–olli

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